Nachruf
verfasst von Jean François Duchamp

Präsident des Französischen Verbandes der Pueri Cantores

Ich bin Wim Buys sehr oft begegnet, das erste Mal aber so richtig am Kongress in Maastricht, den er organisiert hat. Er wurde von Anmeldungen überflutet. Wir können uns alle an die grosse Halle des Messezentrums erinnern, in welcher die Armee mehr als 1200 Schlafplätze eingerichtet hatte : der grösste Schlafsaal der Welt, der einen Eintrag ins Buch der Rekorde verdient hätte. Während alle beunruhigt waren, wiederholte Wim immer wieder, dass alles in Ordnung sei ! Die Petits Chanteurs de Lyon, lauter 11 bis 20jährige Knaben, schliefen auch in dieser Halle. Alle erinnern sich noch sehr gut daran. Man muss allerdings auch erwähnen, dass sie einen Mädchenchor aus Italien nebenan hatten...

Nachdem im Jahr 1992 P. Patrick Giraud zum Präsidenten des französischen Verbandes der Pueri Cantores gewählt worden war, bat er mich als Vizepräsident, ihn beim internationalen Verband zu vertreten, da er selber nicht genügend Zeit hatte. Einige Monate später wurde Wim zum Präsidenten dieses Verbandes gewählt. Er forderte mich auf, die Aufgabe des Generalsekretärs zu übernehmen. Edoardo Hribar wurde als Kassier gewählt. In jenem Moment begann eine acht Jahre dauernde Zusammenarbeit, die nur durch die schwere Krankheit von Wim im letzten dieser Jahre getrübt wurde. Wir drei bildeten eine solche Einheit, dass zahlreiche Freunde uns scherzhaft ‘die Dreifaltigkeit’ nannten. Es ist natürlich schon so, dass wir diese acht Jahre neben der grossen Arbeit auch als Jahre grosser Freundschaft im Dienst der Pueri Cantores erlebt haben. Anlässlich unserer Sitzungen in Rom war jeweils amüsant, wie einer dem anderen das Gesprächsthema weitergab, ohne dass je Meinungsverschiedenheiten auftraten.
Zu dieser Zeit trafen wir uns oft in Rom beim Päpstlichen Rat für die Laien um das Dossier zur Anerkennung des Internationalen Verbandes als private Vereinigung von Gläubigen zu bereinigen. Angeleitet durch Pierre Blanchard haben wir Frau Lucienne Sallé, eine der wenigen Frauen im Vatikan, kennengelernt, die uns bei all diesen Angelegenheiten stark unterstützt hat. Wir machten unsere Aufwartung bei jungen Amtsträgern wie Mgr. Boccardo, heute Regierungspräsident des Vatikans (Governatorato), dann bei Mgr Rylko, heute Kardinal und Präsident des Rates für die Laien, und bei vielen anderen. Es ist eigenartig, dass dieser Rat sehr viele heutige Amtstäger in hohen Positionen hervorgebracht hat.

Es ist müssig, die vielen Zusammenkünfte in Venray, in Triest, in Lyon oder während der Kongresse aufzuzählen.
In jener Zeit begannen wir auch, den Verband nach Osten hin zu öffnen, speziell nach Russland. Aus der ‘Dreifaltigkeit’ wurde die ‘Troika’ ! All diese Arbeit mündete 2001 in das Chortreffen in Moskau. Unglücklicherweise müssen wir feststellen, dass wir es nicht mit ernsthaften Partnern zu tun hatten, und dass dieses wunderbare Projekt nicht weitergeführt werden konnte, zweifellos zum grossen Leidwesen von Wim. Er hatte bereits begonnen, russisch zu lernen.

Es war in der Tat sein grosses sprachliches Talent, das ihn in den internationalen Verband brachte. Als er in Rom mit seinem Chor beim Aussteigen Mgr. Romita, den damaligen Präsidenten des internationalen Verbandes, begrüsste, kam gerade ein Chor aus Deutschland hinzu – er plauderte in der Sprache Goethes ; dann kam ein französischer Chor – er sprach die Sprache Molières ; mit einem englischen Chor unterhielt er sich in der Sprache Shakespeares – und so weiter.
Mgr. Romita war beeindruckt und bat ihn, bei der Versammlung der Prälaten des internationalen Verbandes dabei zu sein. So sass er auf einem Hocker im Hintergrund des Versammlungslokales, kam nach vorne, wenn man ihn brauchte und ging dann wieder an seinen Platz zurück.
Bei dieser Gelegenheit bat ihn der internationale Präsident, einen niederländischen Verband der Pueri Cantores aufzubauen. Mit einem aussergewöhnlichen Charisma hat er einen grossen Verband zusammengebracht. Später, als Siegfried Koesler das Präsidium übernahm, wurde er Generalsekretär des internationalen Verbandes, im Jahr 1992 wurde er Präsident. Eine schwere Krankheit, die in jener Zeit noch wenig erforscht war, die Legionärskrankheit, hat ihn im Jahr 1999 an den Rand zum Tod gebracht : Mehr als 6 Wochen lag er im Koma. Ich erinnere mich noch gut an jenen Nachmittag im Spital von Venray, kurz nachdem er wieder zum Bewusstsein gekommen war und Edoardo und ich ihm einen Besuch abstatteten. Er hatte den Arzt eben gefragt, ob er sich ein Gläschen ‘Bols’ genehmigen dürfe, dieses typisch niederländische Getränk, das er jeden Abend zusammen mit seiner Frau Ria, die einem Martini den Vorzug gab, genoss, und das so oft die ‘Evaluations-Abende’ begleitete, die jeweils in seinem Zimmer anlässlich der internationalen Treffen durchgeführt wurden.

Auch das muss gesagt sein : Wim war ein kontaktfreudiger Mensch. Er musste Leute treffen, er musste Leute zusammenbringen. Herzlich, entgegenkommend wie er war, hatte er immer ein nettes Wort bereit, das seine Gesprächspartner freute. Es machte ihm Freude, alle in ihrer Muttersprache zu begrüssen. Er freute sich an den schönen Gottesdiensten, die von Kinderchören gestaltet wurden, ihm gefielen die gut organisierten Anlässe wie auch die spontanen Treffen. Aber er hatte Mühe, dem Lauf von Versammlungen zu folgen. Er hielt es nicht aus, wenn gewisse Leute ‘plauderten’. Es musste schnell vorwärts gehen. Wie oft habe ich ihm gesagt : « Lass die Leute ausreden, hör ihnen zu, sie haben etwas zu sagen ! » Er aber war ungeduldig und wollte wieder zu seinen Sängern zurück. Er zog individuelle Diskussionen den grossen Debatten bei weitem vor.

Viele kleine und grosse Sänger werden sich an diese immer liebenswürdige Gestalt erinnern, die immer bereit war, dem anderen zu begegnen. Ich habe mit Edoardo acht wunderbare Jahre im Dienst des internationalen Verbandes erlebt und habe das Glück gehabt, einen aussergewöhnlichen Menschen an der Seite zu haben, mit Qualitäten und Mängeln wie jeder von uns, aber immer besorgt um die Bildung der Kinder.

Danke, Wim, für dieses Zeugnis eines Lebens im Dienst des ewigen Gotteslobes.

Er ist von uns gegangen um wieder bei seiner Frau zu sein, die sechs Wochen vor ihm gestorben ist.

Beide singen nun das ewige Lob gemeinsam mit allen, die ihnen vorausgegangen sind. Sie haben sich dem riesigen Zug aller Heiligen angeschlossen. Adieu, Ria ; adieu Wim !

(Ubersetzung aus dem Französischen : W. Oeschger)