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Nachruf
Ich bin Wim Buys sehr oft begegnet, das erste Mal aber so richtig am Kongress in Maastricht, den er organisiert hat. Er wurde von Anmeldungen überflutet. Wir können uns alle an die grosse Halle des Messezentrums erinnern, in welcher die Armee mehr als 1200 Schlafplätze eingerichtet hatte : der grösste Schlafsaal der Welt, der einen Eintrag ins Buch der Rekorde verdient hätte. Während alle beunruhigt waren, wiederholte Wim immer wieder, dass alles in Ordnung sei ! Die Petits Chanteurs de Lyon, lauter 11 bis 20jährige Knaben, schliefen auch in dieser Halle. Alle erinnern sich noch sehr gut daran. Man muss allerdings auch erwähnen, dass sie einen Mädchenchor aus Italien nebenan hatten... Nachdem im Jahr 1992
P. Patrick Giraud zum Präsidenten des französischen Verbandes
der Pueri Cantores gewählt worden war, bat er mich als Vizepräsident,
ihn beim internationalen Verband zu vertreten, da er selber nicht genügend
Zeit hatte. Einige Monate später wurde Wim zum Präsidenten dieses
Verbandes gewählt. Er forderte mich auf, die Aufgabe des Generalsekretärs
zu übernehmen. Edoardo Hribar wurde als Kassier gewählt. In
jenem Moment begann eine acht Jahre dauernde Zusammenarbeit, die nur durch
die schwere Krankheit von Wim im letzten dieser Jahre getrübt wurde.
Wir drei bildeten eine solche Einheit, dass zahlreiche Freunde uns scherzhaft
‘die Dreifaltigkeit’ nannten. Es ist natürlich schon
so, dass wir diese acht Jahre neben der grossen Arbeit auch als Jahre
grosser Freundschaft im Dienst der Pueri Cantores erlebt haben. Anlässlich
unserer Sitzungen in Rom war jeweils amüsant, wie einer dem anderen
das Gesprächsthema weitergab, ohne dass je Meinungsverschiedenheiten
auftraten. Es ist müssig,
die vielen Zusammenkünfte in Venray, in Triest, in Lyon oder während
der Kongresse aufzuzählen. Es war in der Tat
sein grosses sprachliches Talent, das ihn in den internationalen Verband
brachte. Als er in Rom mit seinem Chor beim Aussteigen Mgr. Romita, den
damaligen Präsidenten des internationalen Verbandes, begrüsste,
kam gerade ein Chor aus Deutschland hinzu – er plauderte in der
Sprache Goethes ; dann kam ein französischer Chor – er sprach
die Sprache Molières ; mit einem englischen Chor unterhielt er
sich in der Sprache Shakespeares – und so weiter. Auch das muss gesagt sein : Wim war ein kontaktfreudiger Mensch. Er musste Leute treffen, er musste Leute zusammenbringen. Herzlich, entgegenkommend wie er war, hatte er immer ein nettes Wort bereit, das seine Gesprächspartner freute. Es machte ihm Freude, alle in ihrer Muttersprache zu begrüssen. Er freute sich an den schönen Gottesdiensten, die von Kinderchören gestaltet wurden, ihm gefielen die gut organisierten Anlässe wie auch die spontanen Treffen. Aber er hatte Mühe, dem Lauf von Versammlungen zu folgen. Er hielt es nicht aus, wenn gewisse Leute ‘plauderten’. Es musste schnell vorwärts gehen. Wie oft habe ich ihm gesagt : « Lass die Leute ausreden, hör ihnen zu, sie haben etwas zu sagen ! » Er aber war ungeduldig und wollte wieder zu seinen Sängern zurück. Er zog individuelle Diskussionen den grossen Debatten bei weitem vor. Viele kleine und grosse Sänger werden sich an diese immer liebenswürdige Gestalt erinnern, die immer bereit war, dem anderen zu begegnen. Ich habe mit Edoardo acht wunderbare Jahre im Dienst des internationalen Verbandes erlebt und habe das Glück gehabt, einen aussergewöhnlichen Menschen an der Seite zu haben, mit Qualitäten und Mängeln wie jeder von uns, aber immer besorgt um die Bildung der Kinder. Danke, Wim, für dieses Zeugnis eines Lebens im Dienst des ewigen Gotteslobes. Er ist von uns gegangen um wieder bei seiner Frau zu sein, die sechs Wochen vor ihm gestorben ist. Beide singen nun das ewige Lob gemeinsam mit allen, die ihnen vorausgegangen sind. Sie haben sich dem riesigen Zug aller Heiligen angeschlossen. Adieu, Ria ; adieu Wim ! (Ubersetzung aus dem Französischen : W. Oeschger) |